11. April 2023 / Aus aller Welt

Anwälte: Mehr als 180 Klagen wegen Impfschäden

Kanzleien in mehreren Städten vertreten Klägerinnen und Kläger, die Schäden von ihrer Corona-Impfung getragen haben sollen. Knackpunkt ist allerdings die Kausalität - und darauf pocht Biontech.

Zivilklagen wegen angeblicher Schäden durch Corona-Impfungen müssen einzeln verhandelt werden - oder es wird ein Vergleich erzielt.

Deutschlandweit sind nach Angaben von Anwälten mindestens 185 Zivilklagen wegen angeblicher Schäden durch Corona-Impfungen anhängig. Zwei Kanzleien in Düsseldorf und Wiesbaden vertreten nach eigenen Angaben 135 beziehungsweise 50 Fälle. Die Klagen richten sich gegen alle vier großen Hersteller von Corona-Impfstoffen.

Der mutmaßlich erste Prozess sollte zunächst am 28. April vor dem Landgericht Frankfurt verhandelt werden. Mittlerweile ist der Prozessbeginn allerdings auf den 7. Juli verschoben worden. Beklagter ist der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech. Klägerin ist eine Frau, die durch die Covid-19-Impfung unter anderem einen Herzschaden davongetragen haben will. Die Frau, die nach Angaben ihres Anwalts selbst in einem medizinischen Beruf arbeitet, will unbekannt bleiben.

Jeder Fall muss einzeln verhandelt werden oder es wird ein Vergleich erzielt. Knackpunkt ist die Kausalität: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Schaden? Nach Einschätzung von Juristen und Medizinern wird diese Frage am Ende von Gutachtern entschieden werden.

3000 Anfragen, 810 Mandate

Die Düsseldorfer Kanzlei hatte nach eigenen Angaben rund 3000 Anfragen, aus denen 810 Mandate wurden, von denen 135 in Klagen mündeten. Die Wiesbadener Kanzlei berichtete von 850 Mandaten und 50 Klagen. Auch hier wurden Hunderte Fälle als aussichtslos abgelehnt. Branchenkennern zufolge vertreten diese beiden Kanzleien das Gros der Klagewilligen.

Für Covid-19-Impfstoffe gelten im Prinzip dieselben Haftungsregeln wie für andere Arzneimittel, etwa nach dem Arzneimittelrecht oder dem Produkthaftungsgesetz. Der Hersteller kann zur Verantwortung gezogen werden, wenn etwa ein Produktionsfehler vorliegt. Wird das Arzneimittel beispielsweise fehlerhaft verabreicht, haftet die impfende Person.

Biontech: kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen

Der Düsseldorfer Anwalt Tobias Ulbrich erwartet eine «Sachverständigenschlacht» - wenn die Gerichte nicht schon zu Beginn ein «Abschreckungsurteil» fällen, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. Biontech betont, «dass bisher in keinem der von Biontech geprüften Fälle ein kausaler Zusammenhang zwischen den dargestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der Impfung mit Comirnaty nachgewiesen werden konnte».

«Wir nehmen unsere Verantwortung als Impfstoffhersteller sehr ernst», sagte eine Sprecherin der dpa. Biontech prüfe sorgfältig jeden Fall, in dem Ansprüche gegenüber Biontech geltend gemacht werden. Voraussetzung sei allerdings, dass die Anwälte genügend Unterlagen vorlegen. «Bei der Bewertung des Falls können wir uns allein auf die medizinischen Fakten stützen, um zu evaluieren, ob ein kausaler Zusammenhang besteht oder nicht. Genau daran fehlt es leider sehr häufig.»


Bildnachweis: © Martin Schutt/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Lage zugespitzt: Menschen aus überfluteten Häusern gerettet
Aus aller Welt

Einige Flüsse in Bayern und Baden-Württemberg sind bereits über die Ufer getreten. Das Schlimmste könnte erst noch kommen.

weiterlesen...
Feuerwehrmann stirbt in den Fluten
Aus aller Welt

Das Hochwasser in Bayern hat ein erstes Todesopfer gefordert: Ein Helfer starb bei dem Versuch eine Familie zu retten.

weiterlesen...
Mann sticht auf Menschen ein - politisches Motiv?
Aus aller Welt

In der Mannheimer Innenstadt greift ein Mann mehrere Menschen mit einem Messer an. Zu den Verletzten gehört auch Michael Stürzenberger, führender Kopf der Bewegung Pax Europa. Ein Polizist schwebt in Lebensgefahr.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

«Zerreißt das Herz» - Valeriia wurde Opfer eines Verbrechens
Aus aller Welt

Mit ihrer Mutter ist die kleine Valeriia vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland geflohen. Doch hier wurde sie Opfer eines Verbrechens. Nach über einer Woche banger Suche gibt es traurige Gewissheit.

weiterlesen...
Konzentration der giftigen Goldalge in Oder hoch
Aus aller Welt

Tote Fische, mehr Goldalgen - was ist mit der Oder los? Vor zwei Jahren starben dort massenhaft Fische. Die Behörden wollen nun auf Warnsignale reagieren. Eine Entwarnung gibt es nicht.

weiterlesen...
Vergessenes Treibhausgas: Lachgas-Ausstoß nimmt schnell zu
Aus aller Welt

Geht es um die Klimakrise, bekommt Kohlendioxid stets die größte Aufmerksamkeit. Ein anderes Gas wird oft wenig beachtet: Lachgas. Dabei erzeugen Menschen eine immer größere Menge davon.

weiterlesen...