24. Oktober 2023 / Aktuelles aus der Region 10

Projekt "Wanderschaufenster" mit dem Thema Sternenkinder bei Bestattungen Innerwärts

Für den 15. Oktober, dem Gedenktag der Sternenkinder hatten wir uns entschieden bei dem Projekt „Wanderschaufenster“ mitzumachen

Sternenkinder:

Für den 15. Oktober, dem Gedenktag der Sternenkinder hatten wir uns entschieden bei dem Projekt „Wanderschaufenster“ mitzumachen, beziehungsweise es an diesem Tag zu starten.

Das „Wanderschaufenster“ ist eine Initiative, des Netzwerks „Bohana“, welches sich mit allen Bereichen der Themen Tod und Trauer beschäftigt und durch das Netzwerk betroffenen Menschen übergreifende Hilfe anbietet. Mit dieser Aktion möchten sie in unterschiedlichen Städten eben auf das Thema Sternenkinder aufmerksam machen und durch Angebote unterstützen.

 

Insgesamt wird es bis Ende November bei uns bleiben und in dieser Zeit können sich die Artikel gerne vor Ort angeschaut werden. Wir haben Broschüren von ganz lieben Menschen, die sich etwas für die Begleitung von Sterneneltern ausgedacht haben.

Da dieses Thema immer noch, gerade im 1. Drittel der Schwangerschaft, sehr tabuisiert wird, möchten wir mit diesem Artikel Mut machen.

Mut, über den Verlust zu sprechen. Mut, seiner Trauer den nötigen Raum zu geben. Sich von niemanden den Schmerz kleiner reden zu lassen, weil man sein Kind bereits in den ersten Wochen oder Tagen verloren hat. Denn der Schmerz und die Trauer sind so individuell wie wir Menschen und niemand hat das Recht sie jemandem abzusprechen. Vielleicht macht es für diese Person einen Unterschied im eigenen Wertesystem, wie lange das Ungeborene im Bauch seiner Mama getragen wurde. Aber entscheidend sind hier ganz andere Faktoren:

Die Freude auf Nachwuchs und der gemeinsame Zukunftsplan der werdenden Eltern entsteht bereits in dem Moment, in dem sie „Ja“ zu neuem Leben sagen. „Ja“ zu einer Schwangerschaft. „Ja“ zu der Geburt, Ja“ zu schlaflosen Nächten und zu kindgerechten Urlauben. Die Wohnräume werden der zukünftigen Familiengröße angepasst, das Lebensumfeld auf neue Prioritäten wie die Nähe zu Kindergärten und Schulen geprüft. Auch im Freundeskreis wird von Partywochenende auf Spieleabende zu ruhigeren Stunden zuhause aufgerufen.

Ab dem Moment des positiven Schwangerschaftstest scheint der neue Lebensplan wie automatisch anzulaufen. Klar, wird einem in den ersten 12 Wochen davon abgeraten die freudige Botschaft mit anderen zu teilen, aber entsteht hier nicht eigentlich schon das erste Problem in unserem Denken?

Warum sollten wir es denn nicht erzählen, dass sich ein kleiner Mensch ganz friedlich in uns eingenistet hat? Und was geschieht in unseren Köpfen, wenn wir es selber bis zur 12. Woche geheim halten und es dann wirklich zu einem Verlust kommt?

Wir können dann unsere Trauer kaum ins Außen tragen, da wir selbst unserem Kleinen nur eine indirekte Berechtigung zugesprochen hatten. Weil wir uns in unserem Kopf selbst darauf eingestellt haben, dass man sich erst voll und ganz nach diesen besagten 3 Monaten auf sein Baby einlassen soll. Aber nun ist der Verlust da und wir schränken uns mit unserem Schmerz und unserer Trauer ein. Denn wo ja offiziell noch nichts gewesen ist, dürfen diese Gefühle nun auch nicht sein.

 


Also warum tun wir es? Was wäre so schlimm daran die freudige Botschaft mit all unseren Lieben zu teilen? Und was denken wir, was passiert, wenn wir dann einen Verlust erleiden?

Würden wirklich alle unsere Freunde und Familienmitglieder Dinge zu uns sagen wie:“ Hättet ihr es mal nicht erzählt, wäre es jetzt nicht so schlimm?“ Es mag sein, dass es Menschen gibt, die solche Aussagen treffen, aber sind das dann nicht auch die, die so ähnliche Dinge im späteren Verlauf der Schwangerschaft sagen?

 

Solche Sätze wie:“ Du bist ja noch jung. Du kannst ja wieder schwanger werden.“

„Sei froh, es wäre wahrscheinlich behindert gewesen:“ „Wer weiß wofür es gut war.“

„Lieber so früh und in der Schwangerschaft, als später, wenn es schon gelebt hat.“

 


Diese Sätze sind zu keiner Zeit und in keiner Situation jemals angebracht oder richtig!

Und auch hier möchte ich an alle Frauen speziell appellieren. Seid nett zu einander und stützt euch. Auch wenn es den Sternenvätern genauso nahe geht, sind es doch wir, die wissen wie es sich anfühlt, das erste Gluckern im Bauch zu vernehmen, noch bevor man kleine Beulen der Ärmchen oder Beinchen sehen kann. Ab dem Einnisten der Eizelle stellen wir auf Mama um. Wir fangen an 2 komplette, komplexe menschliche Körper zu versorgen.

Und unser Zukunftsplan nimmt Fahrt auf.

Mit dem Verlust unseres Babys verlieren wir eben nicht nur einen Teil von uns, sondern auch unsere Zukunftspläne. Und damit wird vieles in Frage gestellt und umgeworfen und bedarf neuer Orientierung.

Also ihr lieben Frauen da draußen, stützt und unterstützt euch, hört einander zu, seid offen und steht selbst zu euren Schwangerschaften und zwar ab der ersten Minute in der ihr davon erfahrt. Teilt es mit euren Liebsten und freut euch!

Aber teilt es eben auch, wenn ihr diesen schmerzvollen Verlust erleiden müsst. Trauert ganz offen und nicht still für euch! Sprecht darüber und erzählt, dass ihr Mama eines wundervollen Sternenkinds seid.

Gebt ihm Raum in eurem Leben, durch kleine Plätze mit Andenken, nehmt euch Zeit für den Abschied und schafft Erinnerungen wo es nur geht.

Deshalb haben wir uns für das „Wanderschaufenster“ entschieden.

Wir möchten auch schon die ganz Kleinen in Erinnerung rufen und auf sie aufmerksam machen. Jedes der kleinen Sternchen hat es verdient, dass man sich erinnert.


Ihr seid herzlichst eingeladen uns in unserem Büro zu besuchen und euch zu informieren und auch einfach gerne über euren Schmerz und euren Verlust zu sprechen. Es gibt leider viele Frauen, denen so ein Schicksal mindestens 1x in ihrem Leben widerfahren ist.

Ihr seid also nicht alleine. Zeigt euch und macht den anderen Müttern Mut, damit sie auch ihre Sternchen sichtbar machen.


Seid lieb umarmt,

Julia von innerwärts

P.S.: ich habe mich bewusst entschieden in diesem Artikel nur die Mütter anzusprechen, was nicht heißt, dass Väter weniger trauern. Vielleicht gibt es ja einen Vater, der seine Gedanken hierzu ergänzen möchte.

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