14. März 2022 / Aus aller Welt

2030-Ziel für Biodiversitätsschutz könnte verschoben werden

Bis 2030 sollten eigentlich zahlreiche Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität umgesetzt werden, etwa der Schutz von 30 Prozent aller Meeres- und Landflächen. Doch andere Krisen und Konflikte könnten das Vorhaben verzögern.

Tote Nadelbäume stehen auf einer gerodeten Fläche. Die Trockenheit der Jahre 2019 und 2020 und der Borkenkäfer hatte einen großen Teil der Fichten im Harz absterben lassen. Nun werden di...

Die Zieldaten im geplanten Rahmenabkommen für den Schutz der Biodiversität könnten angesichts der Corona-Pandemie und der Ukraine-Krise verschoben werden.

Das schloss die Leiterin des Sekretariats der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD), Elizabeth Maruma Mrema, am Montag in Genf zum Auftakt der entscheidenden Verhandlungsrunde nicht aus. Die geplanten Maßnahmen sollen eigentlich bis 2030 umgesetzt werden, etwa der Schutz von 30 Prozent aller Meeres- und Landflächen. Zur Zeit sind nur rund acht Prozent der Meere und 17 Prozent der Landflächen geschützt.

Denkbar sei, dass Delegationen den Zeitraum zur Umsetzung angesichts von großen finanziellen Bürden zur Überwindung der Corona-Pandemie oder Folgen der Ukraine-Krise ausdehnen, sagte Mrema. Aber 2030 bleibe ein wichtiges Zwischenziel, weil die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen bis 2030 erreicht werden sollen und viele den Schutz der Biodiversität brauchten. Biodiversität umfasst neben Artenvielfalt auch genetische Vielfalt innerhalb von Arten und Vielfalt von Lebensräumen. Einer der Knackpunkte bei den Verhandlungen ist, wie viel Geld zur Verfügung gestellt wird, um ärmere Länder beim Artenschutz zu unterstützen.

In Genf verhandeln mehr als 1000 Regierungsvertreter unter dem Dach der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) über 21 Ziele, die das Rahmenabkommen umfassen soll. Es soll Ende des Sommers bei einer Konferenz in Kunming in China verabschiedet werden. Die russische Delegation reiste nach Angaben von Mrema nicht an, weil ihr Flug gestrichen worden sei. Die Teilnahme ist auch virtuell möglich.

«Jedes Jahr zählt»

Eine Verschiebung der Ziele zum Schutz der Biodiversität wäre ein verheerendes Signal, sagte der Bundestagsabgeordnete Jan-Niclas Gesenhues (Bündnis 90/Die Grünen), Obmann im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. «Jedes Jahr zählt, um der Artenkrise wirksam zu begegnen.» Gesenhues verlangte ambitionierte Ziele und verbindliche Finanzierungszusagen in dem Rahmenabkommen. «Denn das massenhafte Artensterben und die Zerstörung von Ökosystemen bleiben große Risiken für unseren Planeten.»

«Viele der Krisen, die wir durchleben, sind ein Symptom unseres Umgangs mit der Natur», sagte Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle/Saale der Deutschen Presse-Agentur. «Dazu zählen Covid-19 und andere Infektionskrankheiten sowie das Artensterben und der Klimawandel.»

Artenreiche Systeme würden weltweit zerstört. Dadurch breiteten sich zum einen Viren aus, weil die Vielfalt der Wirte fehle, zum anderen Schädlinge, weil die Vielfalt der Gegenspieler fehle, und es komme zum Absterben von Wäldern, weil die Vielfalt an Baumarten fehle, um gegen Veränderungen widerstandsfähiger zu sein. «Das zeigt, wie überlebenswichtig es ist, dass in Kunming ein ehrgeiziges Rahmenabkommen zum Erhalt der Biodiversität erreicht wird - einer Biodiversität die genetische Vielfalt, die Vielfalt der Arten und die Integrität von Ökosystemen umfasst.»


Bildnachweis: © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Offizieller Spatenstich für den DonauTower
Aktuelles aus der Region 10

Heute war der offizielle Spatenstich für den DonauTower

weiterlesen...
Die Eisarena ist zurück!
Aktuelles aus der Region 10

Eislaufen vor historischer Kulisse nach zwei Jahren Zwangspause endlich wieder zurück!

weiterlesen...
Zu viele Pilze gesammelt - Bußgeld für 80-Jährigen
Aus aller Welt

In Deutschland gibt für fast alle Lebensbereiche Regeln und Obergrenzen. Dies musste jetzt auch ein betagter Pilzesammler aus der Schweiz erfahren.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Prozess gegen Schauspieler Danny Masterson endet ergebnislos
Aus aller Welt

Drei Frauen werden Masterson Missbrauch und Vergewaltigung vor. Doch im Prozess vor einem kalifornischen Gericht finden die zwölf Geschworenen zu keinem Urteil. Wird das Verfahren neu aufgerollt?

weiterlesen...
Kriminelle Gang tötet mindestens zwölf Dorfbewohner in Haiti
Aus aller Welt

Seit über einem Jahr versinkt der Großraum Port-au-Prince in einem Bandenkrieg, Zehntausende sind bereits geflohen. Jetzt haben Gangmitglieder erneut zugeschlagen - auf brutalste Art und Weise.

weiterlesen...
Weniger Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet
Aus aller Welt

Im brasilianischen Amazonasgebiet wird zwar weiter abgeholzt, doch weniger als im Vergleichzeitraum ein Jahr zuvor. Insgesamt ging die Abholzung um elf Prozent zurück.

weiterlesen...