14. Februar 2023 / Aus aller Welt

16-Jähriger erschossen: Polizist wegen Totschlags angeklagt

Vier Projektile aus einer Polizei-Maschinenpistole töten einen 16-Jährigen - dieser Fall löste Bestürzung und Kritik am Vorgehen der Beamten aus. Ein halbes Jahr später haben die Ermittler Anklage erhoben.

Im Sommer 2022 starb ein 16 Jahre alter Geflüchteter in Dortmund nach Polizeischüssen.

Im Fall des von der Polizei in Dortmund erschossenen 16-Jährigen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Schützen erhoben - wegen des Vorwurfs des Totschlags. Drei weitere an dem Einsatz beteiligte Beamte wurden wegen gefährlicher Körperverletzung, der Dienstgruppenleiter wegen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Der Bochumer Rechtsanwalt Michael Emde, der einen der fünf beschuldigten Polizisten vertritt, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag den Eingang der Anklage.

Die Polizei war am 8. August 2022 zu einer Jugendhilfeeinrichtung gerufen worden, wo der jugendliche Flüchtling aus dem Senegal zunächst gedroht haben soll, sich mit einem Messer zu töten. Der Einsatz lief zunächst als Einschreiten bei einem Suizidversuch. Der 16-Jährige wurde von der Polizei erst mit Pfefferspray und zwei Tasern beschossen. Schließlich schoss ein Polizist mit einer Maschinenpistole, der Jugendliche starb im Krankenhaus.

Pfefferspray, Taser und Schüsse

Der leitende Oberstaatsanwalt Carsten Dombert hatte bereits im September berichtet, die Ermittler hätten schnell den Eindruck bekommen, dass bei dem Einsatz «möglicherweise etwas aus dem Ruder gelaufen sein könnte». Man habe die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt gesehen. Es sei zunächst nicht das mildeste Mittel gewählt worden, um den jungen Mann vom Suizid abzuhalten oder in Besitz des Messers zu kommen. Am Dienstag äußerte sich die Staatsanwaltschaft Dortmund nicht zu der Anklageerhebung.

Bei den drei wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagten Beamten geht es um den Einsatz von Pfefferspray beziehungsweise Taser. Der Dienstgruppenleiter, dem Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung vorgeworfen wird, soll laut früheren Informationen der Staatsanwaltschaft bei dem Einsatz die Wahl der Mittel und deren Reihenfolge festgelegt und das Kommando zum Besprühen gegeben haben. Gegen die fünf Beamten waren bereits im September Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Der Jugendliche aus dem Senegal war wenige Monate vor seinem Tod als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen, in Dortmund war er erst wenige Tage vor dem Polizeieinsatz. Er soll nicht gut Deutsch gesprochen haben.

Mehrere Punkte des Einsatzes hatten für Kritik gesorgt. Dabei ging es etwa um die Tatsache, dass die Bodycams der Polizisten nicht eingeschaltet waren. Für Bestürzung sorgte auch die Frage, wie ein Einschreiten bei einem Suizidversuch so eskalieren konnte sowie der martialisch anmutende Einsatz der Maschinenpistole vom Typ MP5. Vier Projektile trafen den 16-Jährigen.


Bildnachweis: © Gregor Bauernfeind/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Polarlichter bringen Deutschlands Nachthimmel zum Leuchten
Aus aller Welt

Polarlichter haben am Wochenende für ein buntes Spektakel am Nachthimmel über Deutschland gesorgt. Auslöser dafür war ein extrem starker Sonnensturm.

weiterlesen...
19-Jährige tot in Kofferraum - Verdächtiger festgenommen
Aus aller Welt

Eine 19-Jährige liegt tot in einem Kofferraum. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus. Ein Verdächtiger ist inzwischen festgenommen. Doch viele Fragen sind noch offen.

weiterlesen...
Internationaler Museumtag
Aktuelles aus der Region 10

Die Stadt lädt am Sonntag zum Internationalen Museumstag

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

DLRG rettet 870 Menschen aus dem Wasser
Aus aller Welt

Im vergangenen Jahr retteten Schwimmer und Schwimmerinnen der DLRG 870 Menschen vor dem Ertrinken. DLRG-Präsidentin Ute Vogt warnt vor unbewachten Gewässern und Personalmangel in Schwimmbädern.

weiterlesen...
Nabu: Waldvögel erobern zunehmend Wohngebiete
Aus aller Welt

Mehr als 58.000 Menschen haben im Mai vier Tage lang bundesweit Vögel gezählt bei der 20. «Stunde der Gartenvögel». Aus dem Langzeitvergleich ziehen Naturschützer nun erste Schlüsse.

weiterlesen...
Bär tapst an deutsch-österreichischer Grenze in Wildkamera
Aus aller Welt

Ein Jungtier tappte in eine Fotofalle. Der Bär hält sich Nahe der Grenze auf. Ein Experte sieht jedoch keinen Grund zur Sorge.

weiterlesen...