Weniger Geld, weniger Therapie? Psychotherapeuten schlagen Alarm
Neue Honorarkürzung könnte die ohnehin angespannte Versorgung psychisch erkrankter Menschen weiter verschärfen.
Ingolstadt – Die ambulante psychotherapeutische Versorgung steht vor neuen Herausforderungen: Am 12. März 2026 hat der erweiterte Bewertungsausschuss beschlossen, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 Prozent zu senken. Eine Entscheidung, die bundesweit für Kritik sorgt – und auch in Ingolstadt große Besorgnis auslöst.
Schon heute ist die Situation angespannt. Menschen mit Depressionen, Angststörungen oder Traumafolgestörungen warten häufig monatelang auf einen Therapieplatz. In vielen Praxen beträgt die Wartezeit inzwischen ein Jahr oder länger.
„Wir erhalten jede Woche zwischen 20 und 30 Anfragen von Menschen, die dringend Hilfe suchen und keinen Therapieplatz finden“, berichten Psychotherapeuten aus der Region. Viele hätten bereits zahlreiche Praxen kontaktiert – oft ohne Erfolg.
Die geplante Kürzung könnte diese Lage weiter verschärfen. Denn auch psychotherapeutische Praxen müssen wirtschaftlich arbeiten, um langfristig bestehen zu können. Sinkende Vergütungen erhöhen den Druck, Leistungen anzupassen. Für gesetzlich Versicherte könnte das bedeuten, dass weniger Therapieplätze zur Verfügung stehen oder Wartezeiten weiter steigen.
Gleichzeitig wächst das gesellschaftliche Bewusstsein für psychische Gesundheit. Umso widersprüchlicher erscheint die aktuelle Entwicklung aus Sicht vieler Fachleute: Während der Bedarf steigt, droht die Versorgung geschwächt zu werden.
Die möglichen Folgen betreffen nicht nur einzelne Patienten. Fachleute warnen vor langfristigen Auswirkungen auf das gesamte Gesundheitssystem – etwa durch längere Krankschreibungen, steigende Zahlen von Frühverrentungen oder mehr stationäre Behandlungen.
Bundesweit formiert sich bereits Widerstand. Berufsverbände, Psychotherapeutenkammern und Kassenärztliche Vereinigungen haben Kritik geäußert und rechtliche Schritte eingeleitet. In mehreren Städten, darunter München und Nürnberg, fanden zuletzt Kundgebungen statt.
Auch in der Region 10 hat sich ein Netzwerk aus Psychotherapeuten und ärztlichen Kollegen gebildet. Ziel ist es, sich besser zu vernetzen, gemeinsam auf die Situation aufmerksam zu machen und die Versorgung langfristig zu sichern.
Aus Sicht der Fachleute ist klar: Eine stabile und bedarfsgerechte Finanzierung ist entscheidend, um die psychotherapeutische Versorgung auch künftig gewährleisten zu können.










