17. April 2026 / Aus aller Welt

Runkel trauert nach tödlichem Unfall in Lederfabrik

Drei Tote, zwei lebensgefährlich Verletzte: Nach dem Unglück in der traditionsreichen Lederfabrik in Runkel herrscht Fassungslosigkeit. Angehörige und Behörden suchen nach Antworten.

Nach dem folgenschweren Arbeitsunfall mit drei Toten und zwei lebensgefährlich Verletzten bleibt die Lederfabrik geschlossen.

Tag der Trauer in Runkel - der folgenschwere Arbeitsunfall mit drei Toten und zwei lebensgefährlich Verletzten in einer Lederfabrik hat viele Menschen in der Kleinstadt schockiert. Am Tag danach kamen immer wieder Angehörige und Freunde der Toten zu dem Firmengelände am Stadtrand, die das Unglück noch kaum fassen konnten. Auch zu einem weiteren Feuerwehreinsatz kam es am Nachmittag - vorsichtshalber. 

«Nach dem Vorfall gestern ist heute bei den Ermittlungsarbeiten der Polizei ein Geruch aufgetreten, dessen Herkunft wir nicht bestimmen können», sagte der Sprecher der Feuerwehr der Stadt Runkel, Jörg Martin, der Deutschen Presse-Agentur. Um sicherzugehen, dass kein Gefahrstoff austritt, sei die Feuerwehr vor Ort und habe den Bereich weiträumig abgesperrt. 

«Die Messkomponente des Landkreises Limburg-Weilburg ist jetzt da und misst das Gelände frei, ob und wie schädlich der Stoff ist, ob er überhaupt schädlich ist», erläuterte Martin. Mehr könne er derzeit nicht sagen. «Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme im Moment», erklärte er. Niemand sei beeinträchtigt worden. 

Drei Tote aus Grube geborgen 

Bei dem Arbeitsunfall in der Lederfabrik und Pelzgerberei in dem 9.500-Einwohner-Städtchen im Kreis Limburg-Weilburg waren am Donnerstagnachmittag drei Arbeiter im Alter von 38, 58 und 59 Jahren ums Leben gekommen. Die zwei lebensgefährlich Verletzten befanden sich nach Polizeiangaben auch am Folgetag noch in kritischem Zustand. 

Kriminalpolizei ermittelt zur Todesursache 

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen, wie das Polizeipräsidium Westhessen in der Nacht mitgeteilt hatte. Nun gehe es darum, die Todesursache zu klären. Im Zentrum der Ermittlungen stünden die Chemikalien in einer Grube, die nun untersucht werden müssten. 

Am Morgen traf auch ein Spezialist des unter anderem für den Arbeitsschutz zuständigen Regierungspräsidiums (RP) Gießen vor Ort ein. Der Mitarbeiter des Dezernats für industrielles Abwasser, wassergefährdende Stoffe, Grundwasserschadensfälle, Altlasten und Bodenschutz wollte sich ein Bild von der Lage vor Ort verschaffen, wie ein Sprecher des Regierungspräsidiums Gießen der dpa sagte. 

Da bislang widersprüchliche Aussagen zum Arbeitsschutz vorlägen, werde der Vorfall weiter untersucht. «So ist noch völlig unklar, wer zuerst den betroffenen Schacht über eine Leiter betreten hatte», erklärte der RP-Sprecher. Auch die genauen Umstände, wie es zur Verkettung der Ereignisse kam, sei «aktuell weiter Gegenstand der polizeilichen und arbeitsschutzrechtlichen Ermittlungen». Das RP Gießen stehe in engem Kontakt zur Kriminalpolizei und weiteren Behörden. 

Bei den beiden lebensgefährlich Verletzten handelt es sich den Angaben zufolge um einen weiteren Mitarbeiter der Leder- und Pelzgerberei sowie eine Person einer Kanal- und Rohrreinigungsfirma aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur. Zuletzt sei der Betrieb mit insgesamt weniger als zehn Beschäftigten durch das Arbeitsschutzdezernat des Regierungspräsidiums im November 2023 überprüft worden. Auch Vertreter der ebenfalls für den Arbeitsschutz zuständigen Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie hatten das Firmengelände am Vormittag in Augenschein genommen. 

Behörden gehen von Kohlenmonoxidvergiftung aus

Nach Angaben von Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) gehen die Behörden davon aus, dass es in der Grube der Gerberei zu einer Kohlenmonoxidvergiftung gekommen sei, die zum Tod der Arbeiter geführt habe. 

Nachbarn zeigen sich betroffen 

Ein Paar, das seit etwa zwei Jahren in der Nachbarschaft wohnt, kam an dem nebligen Morgen mit seinem Hund an dem Firmengelände vorbei. Von dem Geschehen am Vorabend hatten die Leute in den Medien erfahren. Man kenne die Partnerin des Firmenbetreibers von Gassi-Begegnungen, es seien «nette Leute», sagt die Frau. Von der bereits 200 Jahre alten Firma hat das Paar nach eigenen Angaben in der Vergangenheit außer «ein bisschen Geruch» nicht viel mitbekommen, sagt die Spaziergängerin. «Das ist furchtbar, dass so was passiert ist.» 

Trauergottesdienst am Abend

Am Abend sollte es auch einen Trauergottesdienst für die Opfer geben. Wie Runkels Bürgermeisterin Antje Hachmann auf Facebook schrieb, könnten die Bürgerinnen und Bürger von 18.00 bis 20.00 Uhr in einem ökumenischen Trauergottesdienst innehalten. 

Zudem sollten ab 19.00 Uhr in Runkel und im Stadtteil Schadeck die Kirchenglocken läuten – «als Zeichen des Gedenkens und der Verbundenheit», wie Hachmann schreibt. Die Stadt werde ihre Fahnen auf halbmast flaggen. «Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen sowie allen Einsatzkräften und Betroffenen dieses Ereignisses», schrieb die Bürgermeisterin.


Bildnachweis: © Sascha Ditscher/dpa
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