1. September 2022 / Aus aller Welt

Axolotls können auch ihre Gehirne wiederherstellen

Der Axolotl ist ein höchst bemerkenswertes Beispiel für Regenerationsfähigkeit. Der Lurch kann verlorene Beine und verletzte Teile des Hirns wieder herstellen. Eine Studie gibt neue Aufschlüsse.

Teil des Axolotl-Vorderhirns zwei Wochen nach einer dorsalen Schnittverletzung in der rechten Hemisphäre. Die Zellen schließen die Verletzungsstelle (magenta).

Eine Zellkarte von Teilen des Gehirns des Axolotls hat weitere Hinweise zur besonderen Regenerationsfähigkeit der Amphibie gebracht. Acht Wochen nach einer Verletzung im Vorderhirn, das auch für die Verarbeitung von Gerüchen zuständig ist, waren einer Studie zufolge alle verlorenen Nervenzellen ersetzt worden. Zum Teil hätten sie ihre alten Verbindungen zu Nachbarzellen wieder aufgebaut, sagte die Mitautorin der im Fachjournal «Science» publizierten Studie, Katharina Lust vom Wiener Research Institute of Molecular Pathology (IMP). «Ob das wieder hergestellte neuronale Netzwerk dann auch tatsächlich wie zuvor funktioniert, wissen wir aber noch nicht», sagte Lust.

So sind die Forscher vorgegangen

Unter der Leitung von Elly Tanaka (IMP) und Barbara Treutlein von der ETH Zürich hatten die Forscher Zelltypen des Axolotl-Vorderhirns kartiert und Zellen charakterisiert, die dem Molch die außergewöhnliche Regenerationsfähigkeit verleihen. Sie verglichen die Zellen zudem mit denen von Schildkröten und Mäusen. Im evolutionären Stammbaum spalteten sich die Amphibien vor etwa 350 Millionen Jahren von den übrigen Wirbeltieren ab. Bisher war nicht bekannt, wie viel Ähnlichkeit das Axolotl-Hirn zu anderen Wirbeltiergehirnen aufweist.

Die Forscher identifizierten zudem Gruppen von Nervenzellen im Axolotl-Gehirn, die dem Hippocampus von Mäusen und Schildkröten entsprechen, einer Region, die für Gedächtnis und Lernen zuständig ist. «Die Kartierung von Zelltypen im Axolotl-Gehirn bringt nicht nur evolutionäre Einblicke in das Gehirn von Wirbeltieren, sondern ebnet auch den Weg für innovative Forschung zur Gehirnregeneration», so Tanaka.

Deshalb ist der Axolotl so beliebt bei Forschern

Ziel sei es zu verstehen, was Hirnstammzellen nach einer Verletzung tun – welche Gene sie aktivierten, wie sie interagierten und wie sie Neuronen wiederherstellten, die die verlorenen Verbindungen wieder knüpften. «Woher „weiß“ jede Zelle, was zu tun ist?», sagt Lust.

Der Axolotl ist wegen seiner Fähigkeit, selbst Gliedmaßen wie Beine zu ersetzen, ein beliebtes Forschungsobjekt.


Bildnachweis: © Katharina Lust/IMP/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Entsetzen nach tödlichem Messerangriff von Jugendlichen
Aus aller Welt

Die Opfer suchten Schutz vor dem Krieg, die mutmaßlichen Täter sind fast noch Kinder: Nach einem tödlichen Messerangriff in Oberhausen steht die Mordkommission vor vielen ungelösten Fragen.

weiterlesen...
Innovatives Wohnkonzept für Betreutes Wohnen
Aktuelles aus der Region 10

NOVION gestaltet die Zukunft der Region 10

weiterlesen...
Stadtführung: Scherbelbergbunker
Aktuelles aus der Region 10

Eine empfehlenswerte Führung durch die Geschichte Ingolstadts

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

«Anatomie eines Falls» mit Sandra Hüller großer César-Sieger
Aus aller Welt

Bei den französischen César-Filmpreisen wird «Anatomie eines Falls» von Justine Triet der beste Film - und Sandra Hüller die beste Schauspielerin. Auch bei den Oscars sind Triet und Hüller im Rennen.

weiterlesen...
Dresdner Semperopernball in neuem Gewand
Aus aller Welt

«Es wird mehr getanzt und weniger gequatscht»: Moderatorin Stephanie Stumpf bringt das neue Konzept des Semperopernballs schon ganz am Anfang auf den Punkt.

weiterlesen...
Mindestens 15 Tote nach Gebäudebrand on Ostchina
Aus aller Welt

Offenbar hat ein Elektroscooter das Feuer in Nanjing ausgelöst. Mehr als 500 Anwohner wurden evakuiert.

weiterlesen...