6. Juni 2023 / Aus aller Welt

Arzt wegen fahrlässiger Tötung eines Patienten angeklagt

Ein 14-Jähriger zieht sich durch einen Sturz vom Fahrrad einen Schädelbasisbruch zu. Der Arzt verzichtet nach Fehldiagnose auf die nötige Behandlung. Nun muss sich der Mediziner vor Gericht verantworten.

Der Angeklagte (l) steht vor Prozessbeginn mit seinem Anwalt im Gerichtssaal.

Wegen fahrlässiger Tötung eines 14-jährigen Patienten muss sich seit Dienstag ein Mediziner vor dem Landgericht im niedersächsischen Verden verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 53-jährigen Angeklagten vor, 2018 als «Chefarzt im Hintergrunddienst» in einer Rotenburger Klinik die notwendige Behandlung des Jugendlichen nach einem Fahrradsturz nicht angeordnet zu haben. Der Junge starb einen Tag nach dem Unfall an einer Hirnblutung.

Obwohl der Patient mehrfach blutig erbrochen, auffällige Kaliumwerte und trotz Schmerzmittel über sehr starke Kopfschmerzen geklagt habe, seien keine Untersuchungen gemacht worden, um eine Hirnblutung auszuschließen. Der behandelnde Arzt hatte eine Gehirnerschütterung diagnostiziert. Tatsächlich hatte der Jugendliche einen Schädelbasisbruch erlitten. Der behandelnde Arzt hatte sich mit dem Chefarzt telefonisch über den Fall ausgetauscht.

Ein Assistenzarzt, ein Oberarzt und der Chefarzt waren nach dem Vorfall entlassen worden. Ursprünglich waren die drei wegen Totschlags durch Unterlassen angeklagt worden. Dies hatte das Gericht nicht zugelassen. Daraufhin klagte die Staatsanwaltschaft die drei wegen fahrlässiger Tötung an.

Gegen einen Arzt wurde das Verfahren gegen Zahlung von 12.000 Euro eingestellt, ein anderer ist inzwischen verstorben. Der ehemalige Chefarzt hatte mitgeteilt, er sei mit der Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 13.000 Euro einverstanden. Die Staatsanwaltschaft forderte 25.000 Euro. Es kam zu keiner Einigung und damit zur Eröffnung des Prozesses.


Bildnachweis: © Sina Schuldt/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Entsetzen nach tödlichem Messerangriff von Jugendlichen
Aus aller Welt

Die Opfer suchten Schutz vor dem Krieg, die mutmaßlichen Täter sind fast noch Kinder: Nach einem tödlichen Messerangriff in Oberhausen steht die Mordkommission vor vielen ungelösten Fragen.

weiterlesen...
Stadtführung: Scherbelbergbunker
Aktuelles aus der Region 10

Eine empfehlenswerte Führung durch die Geschichte Ingolstadts

weiterlesen...
Innovatives Wohnkonzept für Betreutes Wohnen
Aktuelles aus der Region 10

NOVION gestaltet die Zukunft der Region 10

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Superhelden-Schlitten - Zoll fertigt «Batmobil» ab
Aus aller Welt

Ein solches Gefährt kommt nicht alle Tag beim Zoll vorbei: Im Baden-Württemberg fertigen die Beamten ein über 30 Jahre altes «Batmobil» ab. Das Fahrzeug ist fahrtüchtig und gut in Schuss.

weiterlesen...
Aachener Krankenhaus wieder im Normalbetrieb
Aus aller Welt

Es wird schon wieder operiert. Stunden, nachdem am Montagabend eine 65-jährige Frau einen Großeinsatz ausgelöst hatte, geht der Betrieb am Luisenhospital weiter.

weiterlesen...
Ermittlungsverfahren nach Brand in Seniorenheim
Aus aller Welt

Nach dem verheerenden Brand mit vier Toten in einer Seniorenresidenz hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen einen Bewohner eröffnet. Das Altenheim ist vorerst unbewohnbar.

weiterlesen...