31. März 2022 / Aus aller Welt

April, April - oder doch nicht?

Wenn rund um den 1. April eine haarsträubende Meldung um die Ecke kommt, sollten die Alarmglocken läuten. Scherzgefahr! Aber es gibt sie trotzdem noch: die abwegigen und doch wahren Geschichten.

Als der Schauspieler Til Schweiger «Tatort»-Kommissar wird, will er auch gleich den Vorspann des Krimi-Dauerbrenners austauschen. War das ernst gemeint?

Ende März steigt die Gefahr, leichtes Opfer der gemeinen Zeitungsente zu werden. Spätestens am 1. April könnte sie tatsächlich in die Waden schnappen. Manch Medium versucht dann, seine Leserschaft aufs Kreuz zu legen.

Verbände, Vereine oder Agenturen wollen per Aprilscherz der Presse einen einschenken. Vorsicht ist besonders geboten bei Meldungen, die zu skurril klingen, um wahr zu sein. Aber Entwarnung: Nicht immer sind sie erfunden!

Im Fadenkreuz

Einigen bleibt am 29. März 2012 das Lachen im Hals stecken. Denn der damals neue TV-Kommissar Til Schweiger will sich vom legendären «Tatort»-Vorspann verabschieden. «Der ist jetzt wirklich outdated», sagt er. «Und da werde ich für kämpfen, dass bei meinem ersten "Tatort" ein anderer Vorspann läuft.» Als klar wird, dass das nicht als Witz gemeint war, ist die Aufregung groß. Schweiger rudert zurück, die Kult-Sequenz bleibt.

Radikale Glaubensreform?

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn schreibt kurz vor dem 1. April 2020 eine Professur für die Exegese des Neuen Testaments aus. «Die Professur wird mit einem Priester besetzt», heißt es in der Stellenanzeige. Dabei werden «einschlägig qualifizierte Frauen nachdrücklich zur Bewerbung» aufgefordert. Doch trotz ungläubiger Augen: Die Männerdomäne gerät nicht ins Wanken. Der Eintrag wird korrigiert, falscher Textbaustein. Im Katholizismus bleibt das Priesteramt weiter Männern vorbehalten.

Fahndung mit Promi-Bonus

Nach einem Raubüberfall in Buxtehude bei Hamburg fahndet die Polizei am 29. März 2017 nach einem bärtigen Mann mit Basecap. Das sorgt für Erheiterung, weil das Phantomfoto Rapper Bushido («Berlins Most Wanted») zum Verwechseln ähnlich sieht. Der bedankt sich bei Instagram «für den Style Tipp». Kein Aprilscherz, beteuert ein Polizeisprecher. Es stellt sich heraus: Als Grundlage verwendete die Behörde tatsächlich ein Foto des Musikers.

Zeitungsente mit Schiffbruch

Über einen vermeintlich kuriosen Fall aus der Schweiz berichten CNN und BBC: Ab dem 1. April 2021 dürfen den Medienhäusern zufolge Soldatinnen endlich Damenunterwäsche tragen. Quatsch, aber kein Aprilscherz, sagt Armeesprecher Kaj-Gunnar Sievert. Vielmehr werde nur neue Funktionswäsche getestet. Frauenunterwäsche habe es auch bei vorherigen Beschaffungen schon gegeben, betont der Sprecher.

Wer zuletzt lacht

Zum Jauchzen ist einigen am 1. April 2021 nicht zumute - schon gar nicht in der CDU. «Den mit Abstand besten Aprilscherz» nennt es damals Vorstandsmitglied Serap Güler. Am selben Tag wird bekannt, dass ein Thüringer Kreisverband den umstrittenen früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen als CDU-Bundestagskandidaten nominieren will - was dann auch geschieht. Bei der Wahl im September schmiert die CDU in dessen Wahlkreis um mehr als zehn Prozentpunkte ab, das Mandat gewinnt die SPD.

Zeiten ändern sich

Nach zwei Jahren Pandemie würde solch ein Anblick heute bei den meisten wohl nur noch ein müdes Lächeln hervorkitzeln. Am 30. März 2020 hingegen glaubt so mancher an einen Scherz: Für eine bessere Stimmung bei Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga und um Profis wie TV-Zuschauern den Blick auf leere Stadion-Plätze zu ersparen, wollen Fans von Borussia-Mönchengladbach Figuren mit dem Konterfei der Anhänger in Lebensgröße aufstellen. Die Aktion wird ein voller Erfolg, Wochen später sollen mehr als 20.000 Pappkameraden auf den Tribünen gestanden haben.

Skurrile Partner

Die Polizei lässt sich von Spirituosenherstellern beliefern und Krankenhäuser von einem Fetisch-Laden ausstatten? Kein Scherz! Corona hat wirklich unglaubliche News hervorgebracht. Als Scotland Yard am 30. März 2020 eine Zusammenarbeit mit Brauereien und Gin-Destillerien ankündigt, halten das sicher einige für einen schlechten Witz. Tatsächlich aber schließt die Polizei in London wegen Engpässen an Desinfektionsmitteln Lieferverträge mit der Alkoholindustrie. Und ein Online-Händler für Fetischisten spendet alle vorrätigen Wegwerf-OP-Kittel an ein britisches Krankenhaus.


Bildnachweis: © Christian Charisius/dpa
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