25. Januar 2022 / Aus aller Welt

Mutmaßlicher Tankstellen-Mörder von Idar-Oberstein angeklagt

Ein Tankstellen-Mitarbeiter wies einen Kunden auf die Maskenpflicht hin - und wurde daraufhin erschossen. Die Trauer um den 20-Jährigen ist groß. Nun steht die Mordanklage gegen den Täter.

Ein Angestellter der Tankstelle ist in Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz von einem mit einer Pistole bewaffneten Mann erschossen worden.

Gut vier Monate nach dem tödlichen Schuss auf einen Tankstellen-Mitarbeiter in Idar-Oberstein hat die Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Täter wegen Mordes angeklagt.

Der 49-Jährige soll den 20 Jahre alten Mitarbeiter Mitte September 2021 getötet haben, nachdem dieser ihn mehrfach auf die coronabedingte Maskenpflicht hingewiesen hatte, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerd Deutschler am Dienstag in Bad Kreuznach mit. Die Tat löste bundesweit Entsetzen und Anteilnahme aus.

Nach den Ermittlungen hatte der 49-Jährige an der Tankstelle ohne Maske Bier kaufen wollen. Er kam zweimal. Beim ersten Mal war er nach einer Diskussion mit dem jungen Mann, der als Aushilfe an der Tankstelle jobbte, wieder gegangen. Als er zurückkam, trug er zunächst eine Mund-Nasen-Bedeckung, die er dann aber an der Kasse herunterzog. Nach einem kurzen Wortwechsel mit dem 20-Jährigen habe der Beschuldigte einen Revolver aus der Hosentasche gezogen und den Schüler mit einem Kopfschuss getötet. Der junge Mann war sofort tot.

Laut Staatsanwaltschaft handelte der Täter «heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen». Der zuvor nicht polizeibekannte Deutsche hatte den Todesschuss gestanden. Nach seiner Festnahme sagte er, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne und ihm die Pandemie zugesetzt habe. Diese Aussage werde nach den Ermittlungen gestützt, hieß es nun. Die «nachdrückliche Ablehnung der zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ergriffenen Maßnahmen» des Mannes sei «mitursächlich für die Tatbegehung».

Der Angeklagte schweigt

Er habe den Getöteten wohl «als mitverantwortlich für die Gesamtsituation angesehen», weil dieser die Regeln zur Mund-Nasen-Bedeckung durchsetzen wollte, teilte die Anklagebehörde mit. Derzeit mache der selbstständige Softwareentwickler aus Idar-Oberstein von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Insgesamt haben die Ermittler laut Deutschler rund 20 Zeugen vernommen. Darunter seien auch drei Augenzeugen gewesen, die bei der Tat vor Ort in der Tankstelle waren. Ein Mann sei ein Kollege des Getöteten gewesen, hinzu kamen zwei junge Frauen. Zudem sei umfangreiches Material von den sichergestellten Datenträgern des Angeklagten ausgewertet worden.

Interesse an Theorien von Corona-Leugnern

Dabei habe sich gezeigt, dass der 49-Jährige «der Mehrheitsgesellschaft und dem Staat ablehnend distanziert gegenüber» gestanden habe. Zudem habe er sich mit Theorien der Corona-Leugner befasst, ohne aber in einer Gruppe oder Organisation aktiv gewesen zu sein. Er habe «relativ zurückgezogen» gelebt.

Die Trauer um den getöteten Alex bestimmte wochenlang das Leben in Idar-Oberstein. In einer Trauerfeier im Oktober hatte seine Mutter an ihren Sohn erinnert. «Alex war ein lebenslustiger, hilfsbereiter, intelligenter, charmanter, charismatischer sowie chaotischer und verrückter, aber vor allem ein liebevoller und lustiger junger Mann», sagte sie. «Bitte haltet ihn als den tollen Menschen in Erinnerung, der er war, und nicht als den Jungen, der an der Tankstelle sein Leben lassen musste. Denn er war so viel mehr als das.»

Wann der Prozess vor dem Landgericht Bad Kreuznach beginnt, ist noch unklar.


Bildnachweis: © Christian Schulz/Foto Hosser/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Offizieller Spatenstich für den DonauTower
Aktuelles aus der Region 10

Heute war der offizielle Spatenstich für den DonauTower

weiterlesen...
Die Eisarena ist zurück!
Aktuelles aus der Region 10

Eislaufen vor historischer Kulisse nach zwei Jahren Zwangspause endlich wieder zurück!

weiterlesen...
Zu viele Pilze gesammelt - Bußgeld für 80-Jährigen
Aus aller Welt

In Deutschland gibt für fast alle Lebensbereiche Regeln und Obergrenzen. Dies musste jetzt auch ein betagter Pilzesammler aus der Schweiz erfahren.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Freie Betten in Kinderkliniken verzweifelt gesucht
Aus aller Welt

Vielen Mädchen und Jungen machen derzeit Atemwegsinfekte zu schaffen. Für Babys kann insbesondere der Erreger RSV gefährlich werden - doch dutzende Kliniken können keine kleinen Patienten mehr aufnehmen.

weiterlesen...
Prozess gegen Schauspieler Danny Masterson endet ergebnislos
Aus aller Welt

Drei Frauen werden Masterson Missbrauch und Vergewaltigung vor. Doch im Prozess vor einem kalifornischen Gericht finden die zwölf Geschworenen zu keinem Urteil. Wird das Verfahren neu aufgerollt?

weiterlesen...
Kriminelle Gang tötet mindestens zwölf Dorfbewohner in Haiti
Aus aller Welt

Seit über einem Jahr versinkt der Großraum Port-au-Prince in einem Bandenkrieg, Zehntausende sind bereits geflohen. Jetzt haben Gangmitglieder erneut zugeschlagen - auf brutalste Art und Weise.

weiterlesen...