7. November 2022 / Aus aller Welt

Angeklagte im Polizistenmordprozess schuldfähig

18 Verhandlungstage lang beobachten zwei Sachverständige die beiden Angeklagten im Polizistenmordprozess. Nun legen sie ihre Erkenntnisse vor. Ihre Urteile sind mitentscheidend für die Härte der Strafen.

Blumen und Kerzen am Tatort, an dem Ende Januar 2022 bei Kusel zwei Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle erschossen wurden.

Der Hauptangeklagte im Mordprozess um die tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten bei Kusel (Pfalz) ist einem psychiatrischen Gutachten zufolge uneingeschränkt schuldfähig.

Zwar zeige der 39-Jährige einen Hang zur Selbstüberschätzung sowie eine «gewisse Gemütskälte» und «Eigenschaften, die man bei Psychopathen findet», sagte ein Sachverständiger im Landgericht Kaiserslautern. Es gebe aber keine Anhaltspunkte für ein neurologisches Leiden oder eine klassische Persönlichkeitsstörung.

Der Experte sprach sich gegen eine mögliche Sicherungsverwahrung für den 39-Jährigen aus, bei der Straftäter auch nach Verbüßen ihrer eigentlichen Strafe in Haft bleiben. Er sehe die Tat von Ende Januar als «Einzelgeschehen» und nicht als Tat aus einer konkreten Neigung heraus wie etwa Mordlust, sagte der Sachverständige Michael Rösler zum Richter. «Ich kann Ihnen da keine positive Empfehlung geben.»

Der 39 Jahre alte Hauptangeklagte soll eine junge Polizistin und ihren Kollegen bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle auf einer abgelegenen Kreisstraße erschossen haben. Die Anklage geht davon aus, dass der Mann Jagdwilderei vertuschen wollte.

Nebenangeklagter ebenfalls schuldfähig

Nebenangeklagter ist ein 33 Jahre alter Mann. Der Staatsanwaltschaft zufolge soll er bei der Tat dabei gewesen sein, aber nicht geschossen haben. Er soll jedoch beim Verwischen der Spuren geholfen haben. Auch bei dem Nebenangeklagten attestierte ein weiterer Sachverständiger eine uneingeschränkte Schuldfähigkeit. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Störung, sagte der Facharzt Ralf Werner. Beide Gutachter beklagten, dass sie nicht persönlich mit den Angeklagten sprechen konnten und sich so bei ihrer Beurteilung auf Beobachtungen im Prozess sowie auf Akten beziehen mussten.

Zu Beginn des 19. Verhandlungstags am Montag führten neue Beweisanträge der Verteidigung zu einem heftigen Wortgefecht. Die Anwälte des Hauptangeklagten beantragten unter anderem ein weiteres Sachverständigengutachten. Oberstaatsanwalt Stefan Orthen kritisierte die Anträge scharf. Er warf der Verteidigung des Hauptangeklagten vor, das Verfahren in die Länge ziehen zu wollen. «Das ist doch kein Kasperletheater hier. Es ist jetzt wirklich Schluss mit diesem Quatsch», meinte er. Die Verteidigung nannte den Vorwurf des Oberstaatsanwalts «dreist».

Richter Raphael Mall wies die Anträge nach fast dreistündiger Beratungspause zurück. Das weitere Gutachten sei nicht nötig, da das Gericht selbst über die nötige Expertise verfüge, sagte er.

Der Fall sorgte bundesweit für Entsetzen. Die beiden Männer waren kurz nach der Tat im nahe gelegenen Saarland festgenommen worden. Der Prozess vor dem Landgericht Kaiserslautern läuft seit Mitte Juni. Am 22. November sollen die Plädoyers gesprochen werden. Das Urteil könnte am 30. November verkündet werden. Am Montag war das öffentliche Interesse erneut groß. Nahezu alle Zuschauer- und Presseplätze im Saal waren besetzt.


Bildnachweis: © Sebastian Gollnow/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Lage zugespitzt: Menschen aus überfluteten Häusern gerettet
Aus aller Welt

Einige Flüsse in Bayern und Baden-Württemberg sind bereits über die Ufer getreten. Das Schlimmste könnte erst noch kommen.

weiterlesen...
Feuerwehrmann stirbt in den Fluten
Aus aller Welt

Das Hochwasser in Bayern hat ein erstes Todesopfer gefordert: Ein Helfer starb bei dem Versuch eine Familie zu retten.

weiterlesen...
Mann sticht auf Menschen ein - politisches Motiv?
Aus aller Welt

In der Mannheimer Innenstadt greift ein Mann mehrere Menschen mit einem Messer an. Zu den Verletzten gehört auch Michael Stürzenberger, führender Kopf der Bewegung Pax Europa. Ein Polizist schwebt in Lebensgefahr.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

«Zerreißt das Herz» - Valeriia wurde Opfer eines Verbrechens
Aus aller Welt

Mit ihrer Mutter ist die kleine Valeriia vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland geflohen. Doch hier wurde sie Opfer eines Verbrechens. Nach über einer Woche banger Suche gibt es traurige Gewissheit.

weiterlesen...
Konzentration der giftigen Goldalge in Oder hoch
Aus aller Welt

Tote Fische, mehr Goldalgen - was ist mit der Oder los? Vor zwei Jahren starben dort massenhaft Fische. Die Behörden wollen nun auf Warnsignale reagieren. Eine Entwarnung gibt es nicht.

weiterlesen...
Vergessenes Treibhausgas: Lachgas-Ausstoß nimmt schnell zu
Aus aller Welt

Geht es um die Klimakrise, bekommt Kohlendioxid stets die größte Aufmerksamkeit. Ein anderes Gas wird oft wenig beachtet: Lachgas. Dabei erzeugen Menschen eine immer größere Menge davon.

weiterlesen...