29. Januar 2026 / Aus aller Welt

18 Wisente aus Deutschland im Kaukasus ausgewildert

In der europäischen Wildnis galten Wisente als ausgerottet. Durch Umsiedlungen aus Zoos kehren die größten Landsäugetiere des Kontinents nun zurück in eine besonders artenreiche Region.

Schnell raus aus der Kiste - das Leben in Freiheit ist für die Tiere neu (Handoutbilder).

Per Frachtflugzeug und Lkw sind 18 Wisente aus Deutschland zur Auswilderung in den Kaukasus in Aserbaidschan umgesiedelt worden. Zwölf Tiere kommen aus dem Tierpark Berlin, sechs weitere aus einem Wisentprojekt im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen, wie die Umweltorganisation WWF Deutschland und der Tierpark Berlin mitteilten. 

Die bis zu 1.000 Kilogramm schweren Wisente halten sich am Anfang in einem Auswilderungsgehege im Shadagh Nationalpark im Norden Aserbaidschans auf, wie eine Tierpark-Sprecherin erklärte. Nach einigen Monaten werden sie dann vollständig in die Freiheit entlassen. 

Folgen von Wilderei und Abholzung 

Der WWF und der Tierpark Berlin leiten seit 2019 ein Wiederansiedlungsprojekt für Wisente. Der aktuelle Umzug der 18 Tiere sei die größte einzelne Umsiedlung seit Beginn des Projekts. Der Nationalpark sei eines der größten Schutzgebiete des Kaukasus und biete mit seinen weitläufigen Berg-, Wald- und Offenlandstrukturen ideale Voraussetzungen für eine langfristig stabile Wisentpopulation.

Früher waren Wisente in ganz Europa verbreitet, wie Tierpark und WWF erklärten. Doch im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden die Tiere in der Wildnis Europas ausgerottet und überlebten ausschließlich in zoologischen Einrichtungen. 1927 sei der letzte Wisent im Kaukasus erschossen worden. Auch die Abholzung von Wäldern habe den Tieren geschadet.

Rückkehr in die Wälder

Mithilfe von Schutz- und Zuchtprogrammen existieren laut WWF heute weltweit wieder rund 10.000 Wisente, sowohl in zoologischen Einrichtungen als auch in Naturreservaten und in der Wildnis. Das Wiederansiedlungsprojekt von Tierpark und Zoo habe bislang 64 Wisente nach Aserbaidschan gebracht. Die Tiere pflanzten sich dort erfolgreich fort. Allein 2025 seien neun Kälber geboren worden. Mit dem Neuzuwachs aus Berlin und NRW leben in dem Nationalpark nun rund 90 Wisente. 

«Die Rückkehr des Wisents in die Urwälder des östlichen Großen Kaukasus ist ein wichtiger Beitrag zur Erreichung nationaler, regionaler und internationaler Naturschutzziele zum Erhalt der Biodiversität», erklärte Projektleiter Aurel Heidelberg, Referent für die Ökoregion Kaukasus beim WWF Deutschland.

Schwergewichtige Europäer

Laut WWF sind Wisente die größten Landsäugetiere Europas. Männliche Tiere können bis zu 1.000 Kilogramm, weibliche bis zu 700 Kilogramm wiegen. Die wilden Rinder erreichen eine Schulterhöhe von bis zu zwei Metern. Sie leben in Herden mit etwa zehn bis zwölf Tieren.

Die Männchen sind ab einem Alter von drei Jahren als Einzelgänger unterwegs. Wisente sind Wiederkäuer und ernähren sich von Gräsern, frischem Laub, Baumrinde und Sträuchern. Ein ausgewachsener Wisent braucht laut WWF pro Tag rund 60 Kilogramm Nahrung. 

Wisent oder Bison?

Wisente (Bos bonasus) und amerikanischen Bisons (Bos bison) sehen sich nicht nur sehr ähnlich, sondern sind tatsächlich eng miteinander verwandt. Es gibt aber Unterschiede: Bisons leben laut WWF in der Prärie, Wisente bevorzugen feuchte Laubmischwälder. Außerdem seien Wisente etwas schlanker und hätten längere Beine als Bisons.

Nach Angaben des WWF hat der Kaukasus eine extrem hohe biologische Vielfalt. Es gibt Berge, Wälder, Gletscher und trockene Steppen. Nicht nur Wisente fühlen sich dort wohl: Den Angaben nach findet man in der Region auch die letzten Leoparden Europas. Außerdem leben dort Braunbären, Wölfe und Luchse.


Bildnachweis: © Emil Khalilov/Zoo Berlin/dpa
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